Helmut Newton – Provokateur und Meister der Mode- und Erotik-Fotografie

Als Revolutionär in der Geschichte der Fotografie des 20sten Jahrhunderts wurde Helmut Newton berühmt – und gleichzeitig wegen frauenverachtender Inszenierungen seiner Aktfotos kritisiert und angegriffen. Der menschliche Körper, vor allem der weibliche, stellt sich als Zentrum seiner Arbeit dar. Aber auch durch seine Porträtaufnahmen erlangte Helmut Newton Bedeutung.

Nach seinen ersten 40 Lebensjahren, die von der Flucht vor den Nazis von Berlin nach Singapur sowie von Erfolglosigkeit und Sich-Durchboxen geprägt waren, begann Newtons Karriere in Paris mit seinen Modebildern bei der „Vogue“. Sein frühes Interesse am Fotografieren – den ersten eigenen Fotoapparat hielt er als Zwölfjähriger in der Hand – fing an, Früchte zu tragen. Helmut Newton erwies sich als absolutes Fototalent. Schon bald erarbeitete er sich Aufträge für andere internationale Zeitschriften von Elle über Marie Claire bis Jardin des Mode und stieg zum weltweit prominenten und begehrten Fotografen auf. Viele Fotoausstellungen trugen seinen Ruhm weiter und internationale Preise, wie der „World Image Award“ und der „Grand Prix National de la Photographie“, förderten sein künstlerisches Ansehen.

Mit seinen Aktfotografien, die den Frauenkörper zum Thema hatten, konnte Helmut Newton seine Popularität endgültig steigern. Man sagt ihm die Gabe zur Neudefinition der erotischen Fotografie nach. Der Einschätzung seiner Persönlichkeit als Erotomane setzte Helmut Newton entgegen: „Ich hasse das Gerede von Erotik. Reden Sie von Sex. Dann weiß ich, was gemeint ist.“ Allerdings blieb er mit diesen Arbeiten keineswegs unumstritten. Die „Big Nudes“ zeigen halb nackte und nackte Modelle, die mit Fetischen wie Pelzen, Stilettos, Peitschen, Pickelhauben und Fesseln angetan in aufreizenden Körperhaltungen bis heute Diskussionen hervorrufen. Feministinnen sowie andere Kritiker empfinden die Aktfotos als sexistisch und demütigend für das weibliche Geschlecht. So veröffentlichte Alice Schwarzer 1993 in ihrer Zeitschrift „Emma“ 19 Bilder von Helmut Newton – allerdings ohne Genehmigung –, die den Vorwurf faschistischer Inszenierungen durch „Accessoires“ wie Ketten und geifernde Hunde auf seinen Fotos belegen sollten. Daraufhin billigte Helmut Newton eine Klage gegen die Zeitschrift „Emma“ wegen vorsätzlicher Urheberrechtsverletzung. Schwarzer wurde zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet.

Helmut Newton, der sich selbst als Feminist bezeichnete, galt zu Lebzeiten als der teuerste Fotograf der Welt. Er starb im Januar 2004 nach einem Verkehrsunfall mit seinem Cadillac 83jährig in Los Angeles. Auf seinen Wunsch hin wurde die Asche Newtons in seiner Heimatstadt Berlin beigesetzt. Die Helmut Newton Stiftung wurde von ihm selbst noch 2003 mit dem Ziel gegründet, seine Werke und die seiner Frau, June Newton, zu präsentieren und zu schützen.

 

Foto: Ralf Liebau

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